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Am Sonntag, den 8.12.2013 bietet um 11 Uhr die Initiative “Kolonialismus im Kasten?” einen kritischen Besuch des Deutschen Historischen Museums (DHM) an. Anschließend wird es eine gemeinsame Nachbereitung und Diskussion geben:

„Wo geht’s denn hier zur Kolonialgeschichte?“ Auf der Suche im Deutschen Historischen Museum Berlin.

Das Deutsche Historische Museum (DHM) in Berlin versteht sich als modernes „nationales Geschichtsmuseum“. Den als primäre Zielgruppe ins Auge gefassten deutschen Besucherinnen und Besuchern, darunter viele Schulklassen, wird eine Geschichte präsentiert, die sie als eigene verstehen sollen, als Geschichte, die sie mit manchen Menschen verbindet und von anderen trennt. An der 2006 eröffneten ständigen Ausstellung ist das Selbstverständnis des Hauses deutlich abzulesen. Von der Varusschlacht bis zur Wiedervereinigung bietet sie trotz der Fülle an Objekten eine letztlich auf einen Punkt, nämlich auf die Idee nationaler Einheit, hinauslaufende Erzählung. Der Parcours durch zwei Jahrtausende endet mit einem klaren Statement: „Wir sind ein Volk!“

Die Geschichte des deutschen Kolonialismus bleibt in dieser nationalen Meistererzählung nahezu unsichtbar. Eine einzige versteckte Vitrine im Obergeschoss soll den Besucherinnen und Besuchern ein Bild von der kolonialen Vergangenheit vermitteln. Kolonialgeschichte wird jedoch nicht nur marginalisiert, sondern vor allem aus ihren Verbindungen zur politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Geschichte des Deutschen Kaiserreichs herausgerissen und in zusammenhanglosen Artefakten präsentiert, die zudem die Täterperspektive widerspiegeln. Damit reflektiert das Museum in exemplarischer Weise den allgemeinen öffentlichen Umgang mit der deutschen Kolonialvergangenheit.

Der von der Initiative „Kolonialismus im Kasten?“ unabhängig vom DHM konzipierte Ausstellungsrundgang setzt sich kritisch mit dieser Art von Darstellung „nationaler“ Geschichte auseinander. Er beleuchtet die zahlreichen Verbindungen zwischen Kolonialismus einerseits und Populärkultur, Innenpolitik oder Wissenschaften andererseits und bietet so eine Alternative zur Erzählung des DHM an.

Museen hacken – was bringen kritische Interventionen?

Hinter der Initiative „Kolonialismus im Kasten?“ stehen fünf Historikerinnen (Manuela Bauche, Dörte Lerp, Susann Lewerenz, Marie Muschalek, Kristin Weber), die sich seit 2009 kritisch mit der Darstellung von Kolonialgeschichte in der Dauerausstellung des DHM auseinandersetzen. Aus den Rundgängen, die sie im Rahmen der antikolonialen Kampagne “125 Jahre Berliner Afrika-Konferenz” (http://www.berliner-afrika-konferenz.de) entwickelt haben, ist inzwischen ein Audioguide entstanden, der kostenlos im Internet zur Verfügung steht (www.kolonialismusimkasten.de/). Die Schauspielerinnen Salome Dastmalchi und Lara-Sophie Milagro, der Schauspieler Patrick Khatami sowie Susann Lewerenz haben dem Projekt ihre Stimmen geliehen.

Auf seinem Blog bezeichnet Micheal Schmalenstoer den unabhängigen Audioguide als „perfekte[n] Hack“ und prognostiziert, dass das Beispiel Schule machen wird (http://schmalenstroer.net/blog/2013/03/kolonialismus-im-kasten-eine-gruppe-historikerinnen-hackt-das-dhm/). Wir möchten die Idee des Museum-Hacks gerne aufgreifen und im Anschluss an den Rundgang mit Euch über diese und andere Möglichkeiten geschichtspolitischer Interventionen in Museen diskutieren.

 

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